SanandaMaitreya.com > Articles....

BERLINER MORGENPOST

At: http://berlinlive.berlin1.de/

Sonnabend, 06. Oktober 2001

Aus Fleisch und Blut

Terence Trent d'Arby kehrt als Sananda Maitreya auf die Konzertbühne zurück

Von Uwe Sauerwein

 

 

Krachende Soulshow: Terence Trent d'Arby bot im ColumbiaFritz alles andere als eine spiritistische Sitzung.

 

Foto: dpa

Ganz schön eng, diese Bühne. Zumindest für sechs Musiker. Aber selber schuld, wenn man sich so lange rar gemacht hat und nun mit eher bescheidenen Konzerthallen vorlieb nehmen muss. So wie Terence Trent d'Arby - im immerhin ausgesprochen gut besuchten ColumbiaFritz.

Mit «Introducing The Hardline», einem der bestverkauften Debütalben aller Zeiten, war der androgyne Schönling mit den Rastazöpfen 1987 zum Weltstar mutiert. Funkrock und Soulballaden des gebürtigen New Yorkers landeten gleich fünf Mal in den Top Ten, dank der phänomenalen, fünf Oktaven umfassenden Stimme - und nicht zuletzt auch dank seines phänomenalen Äußeren.

Der ganze Rummel um seine Person ging dem Künstler, der sich in erster Linie als Musiker versteht, als Erstes auf die Nerven. Von den Nachfolge-Alben fühlte sich mancher Fan vor den Kopf gestoßen, weil sie ziemlich experimentell waren. Andere wiederum erfreuten sich an der überbordenen Kreativität des Sängers, Multiinstrumentalisten und Komponisten. Doch der war plötzlich wie vom Erdboden verschluckt.

Jetzt ist Terence Trent D'Arby wieder da, allerdings mit neuem Namen. Sananda Maitreya nennt er sich jetzt, was auf einen verstärkten Hang zum Esoterischen schließen lässt. Der Bezug zur Spiritualität lässt sich auch auf dem aktuellen Album «Wildcard» nicht überhören, doch aufdringlich, missionarisch gar, wirkt das alles nicht. Und so ist auch im Berliner Konzert keine spiritistische Sitzung angesagt, sondern eine krachende, soulige, mitreißende Show.

Mit «Wishing Well», dem Superhit von einst, geht es los. Der Ohrwurm «Dance Little Sister» folgt alsbald. Das lässt nicht auf übermäßiges Vertrauen in das neue Material schließen. Vielleicht will Terence, Verzeihung: Sananda, die Fans auch nicht überfordern. Wenn er Songs von «Wildcard» spielt, hat das Ganze wesentlich mehr Fleisch und Blut als die eher synthetischen Studio-Versionen. Die Ballett-Einlagen des Frontmannes wirken angesichts des einfachen Ambientes etwas überzogen, ansonsten demonstriert das Sextett die pure Spielfreude.

Fast nahtlos reiht sich Titel an Titel. Zwischenansagen sind nicht die Sache des Sängers, der, wenn er selber in die Saiten greift, die Zahl der Gitarren auf drei erhöht. Ein Groove, der sich beim Zuhörer als wohliges Gefühl in der Magengrube auswirkt.

Für «Divina», die erste Zugabe, wird dann eigens noch ein Keyboard für den Star in der Bühnenmitte postiert. Und dann erfolgt doch noch die Ansprache ans Publikum. Wider Erwarten geht es nicht um persönliches Seelenheil mittels Religion, sondern darum, wie der gute, alte Rock'n'Roll die Völker zusammenbringt. Zum Beweis erklingt eine brachiale Fassung von «Jumpin´ Jack Flash», dem Rolling-Stones Klassiker. Das ColumbiaFritz tobt.

Back Print