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Der AufpopperAt: http://szonnet.diz-muenchen.de/
Terence Trent DArby Ganz so krank, wie anlässlich der Konzertabsage in der vergangenen Woche verlautete, wird er wohl doch nicht gewesen sein. Denn Terence Trent DArby alias Sananda Maitreya war bei seinem nun erfolgten Konzert im Metropolis munter und trotzig genug, um sich auch von der tendenziell desinteressierten Haltung des Publikums nicht von ziemlich gelungenem Musizieren abbringen zu lassen. Diese Haltung rührte daher, dass das Ganze ein so genannter Showcase war, was bedeutet, dass ungefähr drei Deppen die 45 Mark Eintrittsgeld berappten, die übrigen aber, die die Halle gut füllten, halt irgendeinen Spezl in der einschlägigen Industrie haben und so ihre Fresse umsonst, aber sehr selbstbedeutend in die Landschaft halten können. Man verzeihe die Wortwahl, aber es war TTD selbst, der mit der finalen Zugabe deutlich machte, wes Geistes Kind dieser Abend gewesen sein sollte: Jumping Jack Flash. Wenn also hier Balladen gespielt werden, die jeden unglücklich Verliebten mit einem schief herabhängenden Grinsen ausstatten, wird gleich darauf eine verzerrte Gretsch oder eine böse Gibson auf heftigem Bassbett nachgereicht, um die Gesichtszüge wieder zurechtzurücken. Dabei ist TTD klug genug, aus dem neuen Album Wildcard, das am 23. Oktober veröffentlicht wird, nur ein paar Songs, darunter die hübsche, freundliche Single O Divina, zu spielen. Das Gros des Repertoires entstammt den Alben Introducing the Hardline und Symphony or Damnund ist eigentlich viel sperriger und heterogener als das meist verbindliche Neue. TTD und seine fünf Mitmusiker poppen jedoch die älteren Meisterwerke kräftig auf, was ihnen zwar einiges von ihrer Vielschichtigkeit nimmt, sie allerdings auch aus dem konzeptuellen Albumzusammenhang befreit und mit neuem, wilderen Leben versieht. Da geht vielleicht Sign Your Name unter, weil es an diesem Abend zu früh kommt. Da bleiben von Wishing Well und Delicate nur Erinnerungen. Doch dann spielt TTD sich frei, findet zu alter Vielfalt in Stimmfarbe, Dynamik und Umfang zurück und kratzt gleichermaßen schüchtern und angeberisch jede Pomade von den schmusigen Hochglanz-Andantinos. Das ist viel mehr, als dies Publikum verdient hat. EGBERT THOLL |