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Frank Farian - Der Mann hinter "Boney M."

Wochenendmagazin vom 21. Juli 2001


At: http://www.svz.de/


Der Skandal um die stummen "Milli Vanilli"-Frontmänner Rob und Fab wird Frank Farian ewig anhaften. Ihre weltweit erfolgreichen Hits stammten nicht aus ihrer Kehle - die öffentlichkeit war einer Täuschung auf den Leim gegangen. Doch etliche andere der Musiker, die er "erfunden" und produziert hat, haben im positiven Sinne Geschichte geschrieben: Terence Trent D'Arby, Meat Loaf, Sidney Rome und allen voran "Boney M.". Farian ist der erfolgreichste deutsche Popproduzent der 70er und 80er Jahre und kann seine Goldenen Schallplatten schon nicht mehr zählen. Geschätzt werden sie auf 800 Stück. Am Mittwoch wurde der Hitmacher 60 Jahre alt.

Frank Farian wird 1941 unter dem Namen Franz Reuther in Kirn an der Nahe (Rheinland Pfalz) geboren. Seine Mutter zieht ihn und seine beiden Geschwister alleine groß. Nach seinem Hauptschulabschluss macht Farian eine Lehre als Koch, zieht aber schon bald lieber mit seiner ersten eigenen Band "Frank Farian und die Schatten" durch die Lande. Das einzige Instrument, das er beherrscht, ist seine Stimme. Noten lesen hat Farian nie gelernt. Schon damals hat er eine Vorliebe für Schwarze Musik. Trotzdem startet er nach der Auflösung der Band zunächst eine Karriere als Schlagersänger - 1968 gelingt ihm mit der selbst komponierten Single "Dana, My Love" ein erster Hit.

Farian steigt auch ins Diskothekengeschäft ein und betreibt im Umkreis von Saarbrücken erfolgreich mehrere Tanzlokale. Als Schlagersänger hat er sich inzwischen etabliert und landet 1976 mit der deutschen Version von "Rocky" auf Platz eins der deutschen Single-Charts. Im selben Jahr erfindet er die Gruppe "Boney M.", für die er zunächst selbst singt. Schon die zweite Single "Daddy Cool" schlägt in die internationalen Charts ein wie eine Bombe.

"Ich habe eine amerikanischen Flagge aufs Cover gemacht; prompt kam ich in die Soul Charts - und jeder dachte, das muss ein Schwarzer aus den USA sein", verriet Farian später in einem Interview. Für den öffentlichen Auftritt formiert er ein dunkelhäutiges Quartett. Farian komponiert die meisten Titel und leiht bei den Studioaufnahmen dem Tänzer Bobby Farrell seine Stimme. Ein Hit folgt dem anderen ("Rivers of Babylon", "El Lute"). Die Geschwindigkeit und die Masse seiner Verkäufe bringen Farian Einträge ins Guinnessbuch der Rekorde, doch die Musikkritik wirft ihm Trivialpop vor.

Unbeirrt baut Farian mit "Eruption" und "Gilla" weitere Disco-Knüller auf. Als diese Welle abflacht, produziert das Multitalent Sidney Rome, Meat Loaf und Terence Trent D'Arby und covert den Led Zepplin Klassiker "Stairway to Heaven". 1984 folgt er Bob Geldofs Afrika-Benefizaktion "Band Aid" ("Do They Know It's Christmas Time") und produziert das deutsche äquivalent "Band für Afrika", das "Nackt im Wind" zugunsten hungernder Kinder aufnimmt.

1988 dann konzipiert Farian das Pop-Rap-Duo "Milli Vanilli". Nach eigenen Angaben sucht er sich zwei Sänger, nimmt eine Platte auf ("Girl You Know It's True") und lernt ein paar Wochen später die beiden Breakdancer Rob Pilatus und Fab Marvan kennen. Eigentlich will er nur ein Tanzvideo mit ihnen machen, doch als der Clip weltweit auf Nummer eins landet, bleibt man bei der Lüge, die beiden hübschen Jünglinge seien die Sänger. "Milli Vanilli" sahnt international Preise ab, darunter einen Grammy, und Farian wird in den USA 1990 zum erfolgreichsten Produzenten des Jahres 1989 gekürt. Der Schwindel fliegt auf, als bei einem Konzert das Band streikt. Gezwungenermaßen lässt Farian die Bombe platzen und entschuldigt sich bei der ganzen Welt.

Urheberrechtsstreitigkeiten bringen Farian immer wieder in die Negativschlagzeilen. Er gibt wiederholt Volksweisen als seine Kompositionen aus. 1992 lässt sich auch noch seine Frau Brigitte von ihm scheiden und kämpft über die "Bild"-Zeitung um die Hälfte seines auf 100 Millionen Mark geschätzten Vermögens.

Doch bei allen Rückschlägen geht Farian das Gespür für Trends offenbar nie verloren. 1994 erfindet er das Duo "La Bouche" ("A Moment of Love"), ein Jahr später die Gruppe "No Mercy" ("Please Don't Go"), mit denen er bis heute erfolgreich ist.

Gabriele Roßnagel

 


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