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Augsburger Allgemeine

October 2001

Die Rückkehr des Mister 110 Prozent

 

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Terence Trent D'Arby heißt jetzt Sananda, veröffentlichte ein neues Album und schreibt an einer Oper

(tsch) Sechs lange Jahre war es mucksmäuschen still um das stets heiß umstrittene Wunderkind der amerikanischen Soul-Riege. Jetzt meldet sich Terence Trent D'Arby unter dem unaussprechlichen Namen Sananda Maitreya mit seinem neuesten Album "Wildcard" zurück. Warum der Beau des Musik-Business seine Wurzeln im alten Indien entdeckt hat, München zu seiner Lieblingsstadt wurde und er seinem Vater endlich verzeihen kann, erklärt er in einem Gespräch der fast philosophischen Art. Fazit eines Interviews: Alles ist anders und bleibt trotzdem - zum Glück - wie es ist ...

Rückblick: Als 1987 ein äußerst talentierter, gut aussehender Mann mit seinem Debütalbum "Introducing The Hardline ..." die internationale Bühne des Musik-Biz betritt und innerhalb kurzer Zeit die rekordverdächtige Anzahl von zwölf Millionen Scheiben verkauft, jubelte die Presse. Dass dieser Mann sich auch keinen Maulkorb anziehen lassen wollte und selbstbewusst sagte, was er meinte, führte bald zu Kritik. Arrogant und selbstverliebt sei er, warf man ihm vor.

So jemand hat keine Chance im knallharten Musikgeschäft.Die drei weiteren Alben, die folgten, entsprachen zwar nicht mehr dem Hype des Erstlingswerks, wurden aber auch nicht zum Ladenhüter. Doch dann war es jahrelang still um Terence.Wer meinte, jetzt sei der Künstler Terence Trent D'Arby endgültig zu Grabe getragen worden, irrt. "Ich habe mein gesamtes Leben umkrempeln müssen, um mich wieder selbst zu finden", erklärt Terence/Sananda seinen Rückzug. Und weil bei ihm immer alles perfekt sein muss, hat es diesmal eben sechs Jahre gedauert.

Gar nicht mal so lange, wenn man bedenkt, dass Terence/Sananda seine Wurzel im alten Indien gefunden hat. "In meinen Träumen tauchte plötzlich der Name Sananda Maitreya auf. Das hat mich neugierig gemacht. Ich musste auch akzeptieren, dass Sananda ein Teil von mir ist", erklärt der gebürtige New Yorker. (Für alle Nicht-Historiker: Sananda ist der Name des indischen Urvolks aus der indo-arischen Epoche um 300 vor Christi.)

"Meine spirituelle Reise in die Vergangenheit half mir, die immense Wut, die sich in den letzten Jahren in mir aufgebaut hat, zu besiegen. Ich habe mich selbst und mein Leben gehasst. Doch mit der Erkenntnis, dass ich auch Sananda Maitreya bin, war der ganze Hass verschwunden."Auch der Hass auf seinen Vater, den Terence/Sananda nie richtig kennen gelernt hat, da er die Familie verließ, als der Sohn zwei Jahre alt war. "Ich fühlte damals genau, wie sehr er meine Mutter verletzt hat", erzählt der 39-jährige. "Und diesen Schmerz konnte ich ihm nie verzeihen. Heute weiß ich, dass mein Vater nur der Erzeuger war, meine Wurzeln aber woanders liegen. Ich weiß jetzt, wer ich bin und brauche ihn nicht mehr."

Auch die folgenden Jahre seiner Kindheit waren alles andere als glücklich. "Meine Mutter hat wieder geheiratet. Mein Stiefvater hat mich nie als Sohn angenommen. Und als er und meine Mutter noch weitere fünf Kinder bekommen hatten, war ich endgültig der Aussenseiter, das schwarze Schaf der Familie. Als Kind einer allein erziehenden Mutter hätte ich eine glücklichere Kindheit gehabt. Ich wäre ein freierer Mensch geworden."

Zu seiner eigenen Tochter Sarafina (12), die mit ihrer Mutter in London lebt, versucht Terence/Sananda ein besseres Verhältnis aufzubauen. "Wir sehen uns so oft es geht und verstehen uns prima. Trotzdem muss ich mir selbst eingestehen, dass ich kein Familienmensch bin und es auch niemals sein werde. Ich brauche immer wieder Abstand, meine Einsamkeit."Ein Grund, warum Terence/Sananda vor fünf Monaten nicht in die Weltstadt London gezogen ist, sondern ins eher beschauliche München.

"Für mich ist München die schönste Stadt der Welt, sie ist wie eine Geliebte für mich."Mit einem bildlich zu verstehenden Rundumschlag hat Terence/Sananda sich und seine Welt wieder in Einklang gebracht. Jetzt war es an der Zeit, für sein Comeback die Fanfare zu blasen. Sein erster Schritt: Er löste sich von der rigiden Welt der Plattenindustrie mit ihren strikten Vorgaben und produzierte sein Album "Wildcard" in Alleinregie. "Mit 'Sananda Records' bin ich in der Lage, alles bis ins letzte Detail nach meinen Vorstellungen zu machen. Ich muss mich mit niemanden streiten, der keine Liebe und Gefühl zu meiner Musik hat. Ich habe mich von all den Vampiren befreit, die mich nur bis zum letzten Blutstropfen aussaugen wollten. Jetzt werfe ich meinen Joker ins Spiel. Deshalb heißt mein Album 'Wildcard'."

Doch auch für die Zukunft hat Terence/Sananda Großes vor. Ein Buch über Philosophie, vor allem über seine, ist in Arbeit. Und als Krönung seines Werkes schreibt er an einer Oper. "Sie handelt von den Mysterien des alten Ägypten", erklärt Terence. "Bis zur Fertigstellung wird es allerdings noch Jahre dauern. Denn alles was ich mache, muss 110-prozentig sein!"

© Public Propaganda
Terence Trent D'Arby ist von einer "spirituellen Reise" zurück, nennt sich nun Sananda, und hat ein wunderschönes Album mitgebracht.

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