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Bayern Feuilleton

Neuer Name, neuer Start

08-10-2001

At: www.welt.de

Aus Terence Trent D'Arby wurde Sananda Maitreya - Am Montag präsentiert er sein neues Album im Metropolis.

Interview

München - Wie aus dem Nirgendwo schien Terence Trent D'Arby 1987 zu kommen. Sein erstes Album "Introducing The Hardline According To..." enthielt Hits wie "Sign Your Name" oder "Wishing Well", die Kritiker wie Publikum gleichsam für sich einnahmen. Seine Dreioktav-Stimme und sein kräftiger Soul schien alle in Bann zu ziehen. Diese erste Platte war ein derartiger Erfolg, dass man ihm eine großartige Popkarriere voraussagte, ihn gar für den würdigen Nachfolger von Prince hielt. Doch nichts wurde daraus, schon die nächsten beiden Alben floppten, wohl auch wegen erheblicher Differenzen zwischen Künstler und Plattenfirma. Nun ist er wieder da, mit neuer Platte, neuer Tour, eigener Firma. Doch der alte Name existiert nicht mehr, ein neuer musste her, darin folgt er seinem Vorbild Prince alias Tafkap. Terence Trent D'Arby heißt nun Sananda Maitreya, ein Name, der ihm im Traum erschienen sein soll. Mit dem Sänger sprach Gabriel Fehrenbach.
DIE WELT: Ist Ihr neuer Name ein Abschied von Ihrer Vergangenheit, vom Star Terence Trent D'Arby?

Sananda Maitreya: Das Starsein ist nur ein Teil meiner Vergangenheit. Diese frühere Identität wurde mir fremd, war etwas, was mir überstülpt war, die Idee eines Anderen, aber nicht meine. Der neue Name bin ich in meiner Ganzheit.

DIE WELT: Fürchten Sie nicht, dass sich ihre früheren Fans nicht mehr an Sie erinnern?

Maitreya: Mir liegt nicht daran, dass sie sich an mich als Terence Trent D'Arby erinnern, sondern nur, dass sie in mir Sananda sehen. Denn in dieser Person stecken auch meine früheren Erfahrungen.

DIE WELT: Ihre neue Platte haben Sie selbst produziert - eine Folge Ihrer Erfahrungen mit der Musikbranche?

Maitreya: Der größte Teil der Branche nutzt ihre sogenannten Partner aus, wir Künstler sind die Batterien ihres Systems. Mit 39 Jahren, nach all dem Blut, das ich an diese Industrie gezahlt habe, verweigere ich mich dem. Das Business ist mir zu zynisch. Es ist Zeit dafür, dass die Künstler die Kontrolle über ihre Arbeit haben.

DIE WELT: Ihre neue CD "Wildcard" klingt wie ein Potpourri, da lässt sich von Elektro bis Soul und R'n'B alles hören. War das Konzept?

Maitreya: Die Musik entsteht einfach so. Da ist keine Idee dahinter. Ich gehe ins Studio, nehme einfach auf und dann wähle ich aus, was mir als Wahrhaftigstes erscheint. Das ist für mich selbst eine aufregende Erfahrung. Ich höre einfach meinem inneren Radio zu, und die Songs, die mich am ehesten ansprechen, sind die, die ich mit anderen teilen möchte.

DIE WELT: Nach über sechs Jahren gehen Sie wieder auf Tour, sind Sie nervös?

Maitreya: Ich sehne mich nach den Konzerten. Auf der Bühne zu stehen, war immer eine der schönsten Erfahrungen meines Lebens. Ich habe das sehr vermisst. Jetzt bin ich so aufgeregt, dass ich fürchte, zu explodieren.

DIE WELT: Inzwischen leben Sie in München. Was hat Sie denn dazu bewogen?

Maitreya: Es gibt einfach Orte, die besser zu einem passen, als andere. Ich habe mich immer als Kosmopolit gesehen, und fühlte mich dennoch in Amerika nie wohl. Die Menschen dort unterstützen nicht die Vorstellung vom Leben, die ich habe. In Europa ist das anders. Hier geht es zivilisierter zu, mit mehr Respekt. München hat eine großartige Geschichte, es ist eine schöne, friedvolle Stadt. Die Leute wissen hier sehr gut, wer sie sind, das liegt an ihrer Kultur und ihrer Tradition. Vielleicht zieht mich diese Stadt so an, weil dort, wo ich herkomme, kein besonderer Sinn für Kultur existiert.


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